Philosophie
Historischer Kontext
Ursprünglich nahmen wir Menschen Hunde und Katzen bei uns auf, weil wir ihre natürlichen Verhaltensweisen für uns nutzen konnten. Hunde warnten uns vor Fremden, schützten uns vor Angreifern und halfen bei der Jagd. Katzen dezimierten Mäuse und Ratten auf den Feldern und in den Speichern und sicherten so unsere Vorräte.
Veränderte Aufgaben der Haustiere
In der heutigen Zeit haben sich die Hauptaufgaben unserer Haustiere stark verändert. Die meisten Haustiere sind heute ausschliesslich dazu da, uns Freude zu bereiten. Sie sollen Partnerersatz sein, sich kuscheln lassen und unsere Aktivitäten mit uns teilen – ganz wie wir es gerade wollen. Das Ausleben der natürlichen Verhaltensweisen, die Hunden und Katzen während Generationen das Überleben gesichert haben, wird in den meisten Fällen als störend und unerwünscht angesehen und bestmöglich verhindert.
Eingeschränkter Freiraum
Während Hunde und Katzen früher noch viel Freiraum hatten, um sich selbst zu verwirklichen, ist dies in den heute üblichen Haltungsformen kaum noch möglich. Die meisten Hunde sind ständige Begleiter ihrer Besitzer, was zwar grundsätzlich schön ist, aber die Entscheidungsfreiheit des Hundes massiv einschränkt. Viele Katzen leben in reiner Wohnungshaltung, was ebenfalls eine starke Einschränkung bedeutet.
Herausforderungen des modernen Lebens
Auch das Leben selbst und der Lebensraum sind viel herausfordernder geworden. Genau wie für viele Menschen ist auch für viele Hunde und Katzen unsere laute und hektische Welt eine tägliche Herausforderung, die nicht unterschätzt werden sollte.
Einzigartigkeit der Individuen
Jeder Hund und jede Katze ist ein einzigartiges Individuum, genau wie wir Menschen – mit einem eigenen Willen, eigenen Wünschen und dem Recht, eigene Bedürfnisse bestmöglich zu erfüllen. Sie empfinden Freude, Frustration, Angst, Unsicherheit, Misstrauen, Wut und viele weitere Gefühle genau wie wir Menschen. Und wie bei uns Menschen, schlagen diese Gefühle nicht bei jedem Individuum gleich hohe Wellen. Es gibt ausgeglichenere und impulsivere Persönlichkeiten.
Wichtigkeit der Sozialisierung
Diese Fakten sollten meiner Meinung nach beim Umgang mit unseren Hunden und Katzen berücksichtigt werden. Das bedeutet, dass Hunde und Katzen von klein an bestmöglich mit ihrem zukünftigen Lebensumfeld und ihrer zukünftigen Lebensform vertraut gemacht werden. In der Fachsprache spricht man hier von Sozialisierung. Die Hauptphase der Sozialisierung beginnt im Alter von 4 Wochen und endet bei der Katze mit etwa 12–16 Wochen, beim Hund etwas später.
Ausleben natürlicher Bedürfnisse
Ebenso wichtig ist, dass die Tiere möglichst viele ihrer natürlichen Bedürfnisse ausleben können – eventuell nicht in Reinform, sondern in einer gesellschaftstauglichen Art und Weise. Zum Beispiel einen Dummy statt eines Rehs jagen oder Spielmäusen und Spielangeln hinterherhetzen statt echten Mäusen und Vögeln. Es ist auch wichtig, dass unsere Haustiere im Rahmen des Machbaren ein möglichst großes Mitbestimmungs- und Selbstbestimmungsrecht bekommen und sich nicht die ganze Zeit anpassen müssen.
Empathischer Umgang
Wichtig ist auch, dass der Umgang im Alltag sowie in der Ausbildung und in der Erziehung von Hunden und Katzen empathisch, rücksichtsvoll, freundlich und unterstützend ist. Wir sollten unseren Hunden und Katzen immer nur die besten Absichten unterstellen und sie stets so behandeln, wie wir selbst gerne behandelt werden möchten.
Hilfe statt Bestrafung
Zuletzt, sollten wir, selbst wenn ein Haustier unerwünschtes Verhalten zeigt oder Verhaltensprobleme hat, zuerst davon ausgehen, dass es sich in dieser Situation, unter diesen Umständen, nicht anders verhalten kann und nicht denken, dass es uns schaden, ärgern oder dominieren will. Wir sollten und besser überlegen, wie wir ihm helfen können, sich angemessen zu verhalten.
Zusammenfassung
Beachten wir diese wichtigen Punkte, steht einem glücklichen und erfüllten Zusammenleben von Mensch und Tier nichts im Wege.
